Astronomiegeschichte

Jahresrückblick

Astronomischer Jahresrückblick auf 2016

Auf dieser Seite findet ihr einige wichtige Ereignisse des vergangenen Jahres aus den Bereichen Astronomie und Raumfahrt. Es war ein ereignisreiches Jahr, darum sind hier nur einige Highlights herausgestellt. Wer wissen möchte, was sonst noch alles geschah, der möge sich beispielsweise im Archiv von astronews.com umschauen.

Januar

17.01.2016

Start des Meeresaltimetrie-Satelliten Jason-3

Mit Jason-3 soll der Fortbestand der einzigartigen Klimadatenaufzeichnungen des mittleren Meeresspiegels sichergestellt werden, die mit Topex-Poseidon im Jahr 1992 ihren Anfang nahmen und dann von Jason-1 und Jason-2 fortgesetzt wurden. Weiterhin werden die Jason-3-Messungen der Meereswellen und der Oberflächentopographie der Ozeane wichtige Daten für numerische Vorhersagen des Seegangs und der Meeresströmungen sowie für andere Anwendungen in den Bereichen Meteorologie und operationelle Ozeanographie liefern. Die Messungen von Jason-3 werden zudem in numerische Vorhersagemodelle eingespeist, die Atmosphären- und Ozeandaten für jahreszeitliche Vorhersagen verknüpfen.

Quelle: astronews.com


22.01.2016

LISA Pathfinder erreicht Lagrangepunkt L1

Die Sonde LISA Pathfinder war am 3. Dezember 2015 ins All gestartet und hatte ihr Ziel – den Lagrange-Punkt L1 rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt in Richtung Sonne – am 22. Januar 2016 erreicht.

Am 16. Februar 2016 wurden die beiden Testmassen von LISA Pathfinder – zwei identische 46 mm große Würfel aus einer Gold-Platin-Legierung – von ihren Haltemechanismen freigegeben und schweben nun frei innerhalb des Satelliten. Ein Laserinterferometer vermisst den Abstand zwischen den Massen mit höchster Präzision.

LISA Pathfinder ist Wegbereiter für eLISA, ein großes Weltraumobservatorium, das eines der am schwersten fassbaren astronomischen Phänomene direkt beobachten soll - Gravitationswellen. eLISA wird voraussichtlich 2030 starten.

Quelle: astronews.com


29.01.2016

Start des ersten Laserknotens von EDRS-A ins All

Es ist der Startschuss für Europas neue Datenautobahn im All: An Bord einer Proton-Rakete ist am 29. Januar 2016 mit EDRS-A der erste Laserknoten des Europäischen Datenrelais-Systems EDRS an Bord des Kommunikationssatelliten Eutelsat 9B vom Raumfahrtzentrum Baikonur in Kasachstan ins All aufgebrochen - auf dem Weg in den geostationären Orbit.

Die finale Position des Satelliten liegt in 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator auf 9 Grad östlicher Länge - das entspricht in etwa dem Längengrad von Stuttgart.

Das European Data Relay Satellite System (EDRS) gilt als Meilenstein in der Telekommunikation. Als sogenannte Private-Public-Partnership (PPP) zwischen der europäischen Weltraumorganisation ESA und Airbus Defence and Space soll es Datenvolumen von bis zu 1,8 Gigabit pro Sekunde mit einem minimalen Zeitverzug vom All auf die Erde transportieren.

Quelle: astronews.com


Februar

11.02.2016

Bekanntgabe der Entdeckung von Gravitationswellen

Mithilfe des Gravitationswellendetektors LIGO in den USA ist es erstmals gelungen, Kräuselungen der Raumzeit, sogenannte Gravitationswellen, zu beobachten, die - ausgelöst durch die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher in rund 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung - die Erde erreichten. Diese Beobachtung bestätigt eine wichtige Vorhersage der von Albert Einstein im Jahr 1915 formulierten Allgemeinen Relativitätstheorie. Sie öffnet gleichzeitig ein vollkommen neues Fenster zum Kosmos.

Die LIGO Scientific Collaboration (LSC) besteht aus mehr als 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Universitäten in den USA und in 14 weiteren Ländern. Mehr als 90 Universitäten und Forschungseinrichtungen in der LSC entwickeln Detektor-Technologien und analysieren die Daten; rund 250 Studierende tragen als wichtige Mitglieder zur Kollaboration bei. Das Detektornetzwerk der LSC umfasst die LIGO-Interferometer in den USA und den GEO600-Detektor in Deutschland.

Bekannt gegeben wurde die Entdeckung bzw. Bestätigung der Existenz von Gravitationswellen am 11. Februar 2016.

Quelle: astronews.com


16.02.2016

Start des Erdbeobachtungs-Satelliten Sentinel-3A

Sentinel-3A, der Hightech-Ozeanwächter im All, wird aus seinem Orbit in 815 Kilometern Höhe die Meere beobachten und so Ozeanvorhersagen sowie Umwelt- und Klimaüberwachung unterstützen. Denn neben der Meeresbeobachtung hat Sentinel-3A die Aufgabe, die globalen Landoberflächen in zeitlich hoher Frequenz zu beobachten. So können die Vegetation überwacht, Waldbrände und andere Feuer aufgespürt und Frühwarnsysteme wie etwa gegen illegale Tropenwaldabholzung betrieben werden.

Quelle: astronews.com


22.02.2016

Würzburg hat wieder eine Uni-Sternwarte

Nachdem die Universität Würzburg ihre alte Sternwarte im Stadtteil Keesburg in den 1990er Jahren aufgegeben hatte, übernahm nun eine Schulsternwarte im nahegelegenen Hettstadt diese Funktion: Die dortige Einrichtung wurde offiziell zur Universitätssternwarte und wird um ein Radioteleskop erweitert. Schon länger führt man dort auch wissenschaftliche Beobachtungen durch.

Gebaut wurde die Sternwarte 2008/2009 mit Unterstützung der Gemeinde Hettstadt durch den Verein Naturwissenschaftliches Labor für Schüler am FKG e.V., der am Friedrich-Koenig-Gymnasium (FKG) in Würzburg verwurzelt ist. Ziel des Experimental- und Forschungslabors ist es, naturwissenschaftlich und technisch interessierte Schüler zu fördern. Sie können an der Hans-Haffner-Sternwarte selbstständig beobachten und astronomische Messungen durchführen.

Quelle: astronews.com


März

05.03.2016

Asteroid 2013 TX68 passiert die Erde

Am 5. März 2016 passierte der kleine, etwa 30 Meter durchmessende Asteroid 2013 TX68 die Erde. Seine Bahn ist nicht präzise genug bekannt, um den geringsten Abstand des Brockens während seines Vorüberflugs zu berechnen - er liegt zwischen 14 Millionen und 17.000 Kilometern. Am 28. September 2017 besteht sogar noch die geringe Möglichkeit einer Kollision.

Quelle: astronews.com


06.03.2016

Feuerkugel in Bayern und Oberösterreich beobachtet

In Oberösterreich und Bayern beobachteten aufmerksame Bürger am 6. März 2016 ein auffälliges Lichtschauspiel am Abendhimmel – Medien berichteten von einer Feuerkugel, die von einem in der Erdatmosphäre teilweise verglühenden Meteoriten verursacht worden war. Inzwischen sind Bruchstücke dieses Meteoriten gefunden und von Wissenschaftlern vom Institut für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster untersucht und klassifiziert worden. Das Fazit der Wissenschaftler: Bei dem Stück handelt es sich um einen gewöhnlichen metallarmen Steinmeteoriten, der in Fachkreisen der LL Chondritenklasse zugeordnet wird.

Quelle: astronews.com


14.03.2016

Start der europäischen Marsmission ExoMars

Am 14. März 2016 um 10.31 Uhr MEZ ist die ExoMars 2016-Mission der europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos vom russischen Kosmodrom Baikonur zu unserem Nachbarplaneten Mars aufgebrochen. An Bord der Proton-Rakete waren der Trace Gas Orbiter (TGO) und der Landedemonstrator Schiaparelli (Entry, descent and landing Demonstrator Module EDM) untergebracht, die sich knapp elf Stunden nach dem Start von der Rakete getrennt und Kurs in Richtung Mars eingeschlagen haben.

Quelle: astronews.com


April

08.04.2016

Start des aufblasbaren Moduls BEAM zur ISS

Das Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) wurde im April 2016 an Bord eines Dragon-Raumfrachters zur Internationalen Raumstation ISS gebracht. Für den Transport war das Modul zusammengefaltet und nahm damit deutlich weniger Raum ein, als ein herkömmliches Modul der Raumstation aus Metall. An die ISS montiert, wird es dann mit Luft gefüllt und dadurch entfaltet. Manche sprechen daher auch von einem "aufblasbaren" ISS-Modul.

Quelle: astronews.com


25.04.2016

Start des franz. Satelliten MICROSCOPE

MICROSCOPE ist eine der wichtigsten Satellitenmissionen zur Untersuchung der fundamentalen physikalischen Naturgesetze. Ziel dieses etwa zwei Jahre dauernden Projekts ist die experimentelle Überprüfung des Äquivalenzprinzips, welches besagt, dass auf der Erde alle Körper im Vakuum gleich schnell fallen, unabhängig davon aus welchen Materialien diese bestehen – vorausgesetzt, alle Störkräfte, wie etwa magnetische Kräfte, sind ausgeschaltet.

Quelle: astronews.com


27.04.2016

Asteroid 2016 HO3 als Quasi-Satellit der Erde entdeckt

2016 HO3 ist ein Asteroid, der am 27. April 2016 durch das bodengebundene Großteleskop Pan-STARRS 1 entdeckt wurde.

2016 HO3 bewegt sich, anders als der Mond, nicht um die Erde, sondern kreist wie die Erde um die Sonne. Dabei ist er für die Hälfte der Zeit der Sonne etwas näher und überholt somit die Erde. Die andere Hälfte der Umlaufbahn ist er jedoch weiter von der Sonne entfernt, so dass er wieder zurückfällt.

Sein Orbit ist etwas zur Bahnebene der Erde um die Sonne geneigt, so dass er zwei Mal pro Jahr die Bahnebene der Erde durchläuft. Durch diese Bahn bleibt er immer in der Nähe unseres Planeten. Er ist damit zwar kein wirklicher Mond unseres Heimatplaneten, aber der bislang beständigste Quasi-Satellit der Erde. Er dürfte uns noch viele Jahrhunderte begleiten.

Quelle: astronews.com


Mai

09.05.2016

Merkurtransit 2016

Transite des sonnennächsten Planeten Merkur sind nicht so selten wie die Venustransite, die über einen Zeitraum von 248 Jahren nur vier Mal zu beobachten sind. Doch wirklich häufig lässt sich das Vorüberziehen des kleinen Merkur vor der Sonnenscheibe auch nicht beobachten - im Schnitt etwa 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert. Zwar umrundet Merkur die Sonne alle 88 Tage, doch ist seine Bahn zur Ebene der Orbits der anderen Planeten geneigt, so dass er nur selten genau zwischen Sonne und Erde gerät.

Mit bloßem Auge ist der winzige Punkt des Merkur nicht zu erkennen. Um den Transit zu verfolgen, benötigt man ein Fernglas oder ein Teleskop. Beide müssen mit einem geeigneten Sonnenfilter ausgerüstet sein.

Am 9. Mai 2016 war es wieder soweit: Um 13.12 Uhr MESZ tritt der Planet vor die Sonnenscheibe und wird als winziger schwarzer Punkt sichtbar. Um 16.56 Uhr MESZ hat Merkur dann den geringsten Abstand vom Zentrum der Sonnenscheibe erreicht, gegen 20.40 Uhr MESZ ist der Transit vorüber - an manchen Orten ist die Sonne da schon hinter dem Horizont verschwunden.

Quelle: astronews.com


10.05.2016

Kepler-Mission gibt 1284 neue Exoplaneten bekannt

Die Zahl der bekannten extrasolaren Planeten ist mit einen Schlag um 1.284 Planeten gewachsen. Auf einer Pressekonferenz stellten Astronomen der Kepler-Mission am 10. Mai 2016 diese neuen Welten vor. Die Anzahl der von dem Weltraumteleskop entdeckten Planeten hat sich damit mehr als verdoppelt.

Das Weltraumteleskop Kepler setzt bei der Suche nach Planeten auf die sogenannte Transitmethode: Während seiner Primärmission hatte Kepler dazu mehr als vier Jahre lang über 150.000 Sterne anvisiert und nach Transits von Planeten gesucht. Bei einem Transit, also dem Vorüberziehen eines Planeten vor seinem Stern, sollte sich die Helligkeit einer fernen Sonne kurzzeitig auf charakteristische Weise verringern.

Quelle: astronews.com


16.05.2016

ISS umkreist die Erde zum 100.000ten Mal

Die ersten Module der Internationalen Raumstation ISS wurden 1998 gestartet und seitdem ist die ISS zu einem stattlichen Außenposten der Menschheit im Erdorbit herangewachsen. Am 16. Mai 2016 wurde ein bedeutender Meilenstein erreicht: Die Station schloss die 100.000 Umrundung der Erde ab. Für eine Umrundung benötigt sie etwa 90 Minuten.

Quelle: astronews.com


Juni

22.06.2016

Start des Kleinsatelliten BIROS

Am 22. Juni 2016 um 5.55 Uhr MESZ startete der Kleinsatellit BIROS (Bi-Spektral Infrared Optical System) vom indischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan Space Centre an Bord einer PSLV-Trägerrakete erfolgreich ins All. Der Satellit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird nun in 515 Kilometern Höhe Hochtemperaturereignisse auf der Erde aufspüren.

Dabei wird der kühlschrankgroße Kleinsatellit aber nicht allein arbeiten. Bereits seit Juli 2012 befindet sich sein Brudersatellit TET-1 (Technologie-Erprobungsträger) im Orbit und hält Ausschau nach Waldbränden. Gemeinsam bilden die beiden Satelliten die Mission FireBIRD (Fire Bispectral InfraRed Detector) - eine Mission zur Feuerfernerkundung. Neben Waldbränden sollen auch vulkanische Aktivitäten, Gasfackeln oder Industrie-Hotspots beobachtet und dokumentiert werden.

Quelle: astronews.com


Juli

04.07.2016

Ankunft von Juno im Jupitersystem

Die Raumsonde Juno schwenkte planmäßig am 4. Juli 2016 in eine Umlaufbahn um den Gasriesen Jupiter ein. Juno wurde am 5. August 2011 gestartet und soll den größten Planeten des Sonnensystems insgesamt 33 Mal auf einer polaren Umlaufbahn umrunden. Die Sonde wird sich dabei der Wolkendecke des Gasriesen alle zwei Wochen auf bis zu 5.000 Kilometer nähern. Dabei wird Juno auch durch die Wolkendecke blicken und die Polarlichter des Planeten studieren.

Von Juno erhoffen sich die Astronomen neue Informationen über Jupiter, insbesondere über seine Atmosphäre, seinen inneren Aufbau und sein Magnetfeld. Ein Ziel ist es beispielsweise herauszufinden, ob der Gasriese in seinem Zentrum tatsächlich über einen festen Kern verfügt. Dies würde dann auch wichtige Hinweise auf die Entstehungsgeschichte des Planeten liefern, was auch Einblicke in die Frühphase der Entstehung des Sonnensystems und der anderen Planeten erlauben würde.

Quelle: astronews.com


12.07.2016

Bekanntgabe der Entdeckung des Objekts 2015 RR245 jenseits von Neptun

Ein internationales Astronomenteam hat mithilfe des Canada-France-Hawaii Telescope auf Hawaii ein neues Objekt jenseits von Neptun aufgespürt, das sich auf einer äußerst weiten Bahn um die Sonne bewegt. Der 2015 RR245 genannte Brocken dürfte einen Durchmesser von rund 700 Kilometern haben. Entdeckt wurde er im Rahmen des Outer Solar System Origins Survey.

2015 RR245 umrundet die Sonne in rund 700 Jahren. Es entfernt sich auf seiner vergleichsweise elliptischen Bahn mehr als 120 Astronomische Einheiten von der Sonne und nähert sich unserem Zentralstern auf bis zu fünf Milliarden Kilometer (entsprechend etwa 34 Astronomischen Einheiten) an. Den sonnennächsten Punkt der Bahn wird 2015 RR245 um das Jahr 2096 erreicht haben.

Quelle: astronews.com


September

01.09.2016

Explosion einer SpaceX Rakete

Bei einem Routinetest auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral ist eine Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX explodiert. Bei der Explosion wurde nach Angaben von SpaceX niemand verletzt. Es hat sich - wie bei der Vorbereitung von Raketentests üblich - niemand auf dem Gelände aufgehalten. Die Falcon-9-Rakete und deren Ladung sind zerstört worden.

Quelle: tagesschau.de


02.09.2016

Kometenlander Philae auf dem Kometen gefunden

Der Kometenlander Philae ist gefunden. Am 2. September 2016 nahm die OSIRIS-Kamera auf der Raumsonde Rosetta die entscheidenden Bilder von der Oberfläche des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko auf. Sie zeigen den Lander schräg in einer Schlucht liegend, zwei der drei Landebeine deutlich sichtbar.

Schon zuvor war Philae oberhalb eines Kraterrandes direkt auf dem Kopf des entenförmigen Kometen vermutet worden. Doch bisherige Bilder zeigten nur einzelne Pixel, die auf Philae hindeuten konnten. Die aktuellen Bilder wurden mit einer größeren Auflösung von fünf Zentimetern pro Pixel in geringerem Abstand von nur 2,7 Kilometern zum jetzt weniger aktiven Kometen aufgenommen und zeigen nun eindeutig den mit einem Meter Durchmesser sehr kleinen Philae.

Quelle: astronews.com


08.09.2016

Start von OSIRIS-REx zum Asteroiden Bennu

Die Sonde OSIRIS-REx der NASA ist am 8. September 2016 erfolgreich zum Asteroiden Bennu gestartet. Die Sonde hob an Bord einer Trägerrakete vom Typ Atlas V ab. OSIRIS-REx soll Bennu im Jahr 2018 erreichen und rund zwei Jahre später eine Probe des Asteroiden nehmen. Diese wird dann im September 2023 für detaillierte Untersuchungen auf der Erde erwartet.

2018 wird sich OSIRIS-REx Bennu nähern und mit einer gründlichen Kartierung und Erfassung des Asteroiden beginnen. So soll auch die für 2020 geplante Entnahme einer Bodenprobe vorbereitet werden. Dabei hofft man mindestens 60 Gramm Oberflächenmaterial vom Asteroiden aufnehmen zu können. OSIRIS-REx wird diese Probe dann zur Erde zurückbringen.

Quelle: astronews.com


14.09.2016

Erster Datarelease von GAIA veröffentlicht

Die ESA hat die ersten Daten ihrer Astrometriemission Gaia veröffentlicht. Die Angaben zu Position und Eigenbewegung von mehr als zwei Millionen Sternen waren von Astronomen mit Spannung erwartet worden. Die Veröffentlichung ist allerdings nur ein Vorgeschmack auf die zweite, deutlich umfangreichere Datenveröffentlichung. Die neuen Messungen ermöglichen es, die Milchstraße in unbekannter Detailtiefe und Präzision zu erforschen

Im Jahr 2000 war Gaia als eine der Hauptmissionen der ESA ausgewählt worden, nach 13 Jahren Entwicklung und Konstruktion startete die Mission 2013 von Französisch-Guayana. Nach einer Reise von 1,5 Millionen Kilometern begannen die Messungen 2014. Dabei wurde eine Methode zur Himmelsabtastung eingesetzt, durch die die Gesamtfläche der Beobachtungen maximieren werden konnte.

Bis heute hat Gaia auf diese Weise mehrere hundert Millionen Sterne erfassen können. Die von Gaia mitgeführten Instrumente ermöglichen astrometrische, photometrische und spektroskopische Messungen.

Quelle: astronews.com


19.09.2016

Absturz von Schiaparelli auf dem Mars

Seit dem 14. März 2016 flogen der Trace Gas Orbiter (TGO) und der Lander Schiaparelli für die ESA-Mission ExoMars gemeinsam in Richtung Mars - am 16. Oktober 2016, begann für den Lander der ereignisreiche Weg zur Marsoberfläche, während der Orbiter in eine Umlaufbahn um den Mars gesteuert wird. Drei Tage später, am 19. Oktober 2016, trat der Lander dann in die Marsatmosphäre eintreten - mit einer Geschwindigkeit von 21.000 Kilometern in der Stunde.

Ab etwa 50 Sekunden vor der erwarteten Landung allerdings konnten plötzlich weder mit einem Radioteleskop auf der Erde, noch mit der ESA-Sonde Mars Express Signale mehr empfangen werden. Später zeigten Fotos an der mutmaßlichen Landestelle einen schwarzen Fleck, der den Absturz des Landers nahelegt.

Quelle: astronews.com


30.09.2016

Kometensonde Rosetta schlägt auf Komet Tschuri auf

Wie von der ESA geplant, schlug die Sonde am 30. September 2016 auf dem Kometen 67P Tschurjumov/Gerasimenko auf, den sie zuvor über zwei Jahre lang untersucht hatte. Rosetta lieferte bis unmittelbar vor dem Aufschlag Daten. Zwar ist die Betriebsphase der Mission nun beendet, die Datenauswertung wird die Wissenschaftler aber noch Jahre beschäftigen.

Rosetta hat seit ihrem Start 2004 sechsmal die Sonne umrundet und ist auf ihrer fast acht Milliarden Kilometer langen Reise dreimal an der Erde, einmal am Mars und zweimal an Asteroiden vorbeigeflogen. Während der sonnenfernsten Etappe wurde sie 31 Monate lang in einen Winterschlaf-Modus versetzt, bevor sie im Januar 2014 wieder geweckt wurde, um im August darauf endlich an ihrem Kometen anzukommen.

Nachdem Rosetta als erste Sonde in eine Umlaufbahn um einen Kometen eingebracht worden war und im November 2014 mit dem Aufsetzen des Landegeräts Philae eine weitere Premiere vollbracht hatte, widmete sie sich der Beobachtung der Veränderungen des Kometen, während dieser seinen sonnennächsten Punkt erreichte und sich anschließend wieder von der Sonne entfernte.

Quelle: astronews.com


Dezember

09.12.2016

Entdeckung des massereichsten Doppel-Neutronenstern-Systems

Dank der Rechenleistung zahlreicher Heimcomputer, die durch das Projekt Einstein@Home zusammengeschlossen sind, ist es nun gelungen, das bisher massereichste Doppelneutronensternsystem aufzuspüren. Ausgewertet wurden dazu Daten des Arecibo-Radioteleskops. Der Fund eignet sich ideal zum Test von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie.

Etwa 25.000 Lichtjahre von der Erde entfernt kreisen zwei tote Sterne umeinander. Auf einem Durchmesser von lediglich 20 Kilometern vereint jeder von ihnen mehr Masse als unsere Sonne und sie benötigen nur fünf Stunden für eine Umkreisung.

Quelle: astronews.com


19.12.2016

Pan-STARRS veröffentlicht größte digitale Himmelsdurchmusterung

Das Pan-STARRS-Projekt, an dem auch Astronomen an den Max-Planck-Instituten für Astronomie in Heidelberg und für extraterrestrische Physik in Garching beteiligt sind, hat am Montag die weltweit größte digitale Himmelsdurchmusterung veröffentlicht. Der Katalog basiert auf Beobachtungsdaten, die über vier Jahre gesammelt wurden, umfasst mehr als drei Viertel des Nachthimmels und liefert umfangreiche Informationen über mehr als drei Milliarden Sterne, Galaxien und andere Quellen.

Im Mai 2010 startete das erste Panoramic Survey Telescope & Rapid Response System, kurz: das Pan-STARRS, ein 1,8-Meter-Teleskop auf dem Gipfel des Haleakalā auf der Hawaii-Insel Maui, eine digitale Himmelsdurchmusterung im sichtbaren und Nah-Infrarotlicht. Dies war die erste Beobachtungskampagne mit dem Ziel, den Himmel sehr schnell wiederholt zu beobachten und so nach sich bewegenden oder sich verändernden Objekten zu suchen. Dazu zählen auch Asteroiden, die möglicherweise die Erde bedrohen könnten. Die Himmelsdurchmusterung nahm etwa vier Jahre in Anspruch, und tastete den Himmel zwölf Mal in fünf Filtern ab.

Quelle: astronews.com


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Astronomie

Die Philosophie steht in diesem großen Buch geschrieben, dem Universum, das unseren Blicken ständig offenliegt. Aber das Buch ist nicht zu verstehen, wenn man nicht zuvor die Sprache erlernt und sich mit den Buchstaben vertraut gemacht hat, in denen es geschrieben ist. Es ist in der Sprache der Mathematik geschrieben, und deren Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren, ohne die es dem Menschen unmöglich ist, ein einziges Wort zu verstehen; ohne diese irrt man in einem dunklen Labyrinth umher.

Galileo Galilei in 'Il Saggiatore', 1623

Astronomie ist die Lehre von den Sternen (von griechisch astér = Stern und nomos = Gesetz) und wohl die älteste Wissenschaft der Menschheit. Schon immer beeindruckte der Sternenhimmel die Menschen, und die Bewegungen der Gestirne blieben auch in frühen Tagen nicht verborgen.

Astronomie ist heute so aktuell und wichtig wie eh und je. Unsere Zeiteinteilung orientiert sich am Lauf von Sonne und Mond, christliche Feiertage werden mit Hilfe des Vollmondes festgelegt usw. Astronomie hat es uns auch ermöglicht, unsere unmittelbare Nachbarschaft, nämlich die Planeten und Monde unseres Sonnensystems, besser kennenzulernen.

So erkennen und verstehen wir unsere eigene Position im großen Weltgefüge viel besser. Die Erde ist zwar im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aus dem Mittelpunkt der Welt herausgerutscht, aber momentan ist sie der einzig bekannte Himmelskörper, auf dem Leben existiert. Und das macht sie auch heute noch zu etwas ganz Besonderem.


Weltbilder und Mythen

Schwan und Leier Jahrtausende alte Überlieferungen zeigen uns, dass sich Menschen zu allen Zeiten Gedanken über die Abläufe am Himmel machten. Leider ist aus frühen Zeiten kaum etwas erhalten geblieben, was uns einen Einblick in die Gedankenwelt unserer Vorfahren gewährt.

Ihre Vorstellungen vom Lauf der Welt sind aber in alten Sagen und Legenden enthalten. Zunächst über viele Generationen mündlich weitergegeben, wurden sie irgendwann einmal schriftlich festgehalten und sind uns auf diese Weise heute zugänglich.

Sonne, Mond und Planeten wurden einst als Götter angesehen, die im Himmel wohnen und das Schicksal der Menschen beeinflussen. Die Gestirne waren ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Die Zeiteinteilung wurde am Lauf von Sonne und Mond ausgerichtet. Seefahrer orientierten sich bei ihren Reisen am Sternenhimmel.

Hier geht es zu alten Mythen der Sonne, dem Mond, von Sternen und dem Ursprung der Welt.


Blicke in Vergangenheit und Zukunft

Weltraumteleskop HubbleDoch die Astronomie ist auch eine Wissenschaft der Zukunft, denn es ist noch längst nicht alles erforscht und verstanden. Im Gegenteil - die Beobachtungstechnik hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt, die Teleskope wurden immer größer.

Inzwischen schicken wir Teleskope sogar ins Weltall, wo sie ungestört von der Atmosphäre noch bessere Bilder liefern können. Die Erkenntnisse, die in letzter Zeit gewonnen wurden, lassen so manches klarer erscheinen, werfen aber gleichzeitig viele neue Fragen auf. Beispielsweise hat man erst vor etwa 10 Jahren entdeckt, dass sich die Ausdehnung des Weltalls sogar beschleunigt!

Grossteleskop

Woher kommt dieser Schub, die zusätzliche Energie, die dafür nötig ist? Und bedeutet das nun, dass das Universum auf ewig immer weiter ausdünnt? Wird es also keinen finalen Kollaps geben, bei dem die Ausdehnung irgendwann stoppt und alles, was dann noch vorhanden ist, durch Gravitation zusammengezogen wird und an einem Endpunkt ineinanderstürzt - als Gegenstück zum Urknall? Lange Zeit war dies die gängige Meinung zur Zukunft des Weltalls. Nun müssen wir sie neu überdenken. Wie man sich derzeit den Beginn und das Ende der Welt vorstellt, erfährst du unter dem Menupunkt Weltall.


Daheim im Sonnensystem

Komet Panstarrs Astronomie vereint sehr viele Aspekte. Sie hat Verbindungen zu fast allen anderen Wissenschaften, so vor allem zu Physik und Mathematik, aber auch zur Geologie, Chemie, Meteorologie, Archäologie und auch zur Biologie. Astronomie zu betreiben hilft uns, die Natur um uns herum besser zu verstehen, Naturgesetze und Naturkonstanten zu finden und alles was geschieht richtig einzuordnen und in einem größeren Zusammenhang zu sehen.

Beobachtungen anderer Sterne lassen beispielsweise Rückschlüsse auf Entwicklung und Lebensdauer der Sonne zu. Die Zusammensetzung von Asteroiden und Kometen verrät uns etwas darüber, wie die Erde zu Beginn aufgebaut war. So können wir erkennen, was sich seither verändert hat und was dazu geführt hat. Mehr über unser Sonnensystem erfährst du unter dem Menupunkt Sonnensystem.


Leben - einmaliges Wunder oder gewöhnlicher Standard?

Mit Hilfe der Astronomie versuchen wir, Antworten zu finden auf ganz elementare Fragen des Seins. Wie hat alles begonnen? Wie wird es enden?

Welchen Platz haben wir im Getriebe des Weltensystems? Sind wir einzigartig oder ein normaler Planet wie viele andere? Gibt es außer auf der Erde auch anderswo im Universum Leben?

Das Weltall bietet genug Platz für Lebewesen aller Art, denn wie wir seit einigen Jahren wissen, gibt es Planeten auch bei anderen Sternen. Werden wir 'die anderen' auf einem dieser Exoplaneten finden?


Zeit und Kalender

SonnenuntergangAstronomie hat auch eine ganz praktische Seite, die uns hilft, unser Leben überschaubar zu machen und uns am Rhythmus der Gestirne zu orientieren.

Mit der Beobachtung der Bewegungen von Sonne und Mond am Erdenhimmel können wir die Länge eines Tages, einer Woche und eines Jahres festlegen. Auch christliche Feiertage werden an astronomischen Gegebenheiten wie beispielsweise dem Frühlingsvollmond ausgerichtet.

Am Sonnenstand erkennen wir die Himmelsrichtungen und wann es Morgen, Mittag und Abend ist. Im Jahresverlauf legen wir am Sonnenstand den Beginn der jeweiligen Jahreszeit fest usw. .


Raumfahrt

Astronomie hilft uns, unseren Horizont zu erweitern und in Welten einzutreten, in denen vorher noch nie ein Mensch gewesen ist. Bevor eine Raumfahrtmission starten kann, stehen jahrelange gründliche Vorbereitungen an.

Das Ziel wird genauestens beobachtet und geeignete Punkte für eine Landung ausgesucht, die günstigste Flugbahn muss berechnet werden usw.

Die Erforschung des Sonnensystems läuft seit mehr als 50 Jahren, und noch immer gibt es viel zu entdecken. Nach den Planeten sind nun verstärkt die kleinen Körper an der Reihe.

Aktuelle Missionen sind auf Asteroiden und sogar Kometen ausgerichtet. Und dennoch verlieren wir Mars, Venus und Co nicht aus den Augen. Einige Raumsonden begleiten die Planeten schon seit vielen Jahren. So ist es z.B. möglich, das Wetter dort über lange Zeit zu beobachten oder auch Veränderungen in den Wolken und auf den Oberflächen zu erkennen.

Mehr zum Thema Raumfahrt findest du unter dem Menupunkt Raumfahrt.


Tipp: Radio hören!

Die Geschichte der Astronomie, von WDR 5 Leonardo
In lebendigen, historischen Szenen erzählt die Serie, wie die Menschen von der Urzeit, über die Antike und das Mittelalter bis in die heutige Zeit das Universum erkundet haben. Stück um Stück mussten sie erkennen, in welch unermesslicher Welt wir Menschen wirklich leben.

Hier könnt ihr euch die spannenden Radiobeiträge anhören oder als Podcast herunterladen: http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/schwerpunkte/astronomie/astronomie102.html


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Himmelsscheibe

Die Himmelsscheibe von Nebra

Seit einigen Jahren ist uns ein einmaliges Zeugnis astronomischer Kenntnisse der Bronzezeit vor 3600 Jahren bekannt - die Himmelsscheibe von Nebra wurde gefunden. Raubgräber entdeckten sie 1999 auf dem Mittelberg nahe Nebra in Sachsen-Anhalt. Sie verkauften das wertvolle archäologische Fundstück auf dem Schwarzmarkt, und womöglich hätte die Weltöffentlichkeit nie von ihrer Existenz erfahren. Dem Leiter des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie Sachsen-Anhalts, Harald Meller, gelang es glücklicherweise, die Bronzescheibe zurückzuholen.

In monatelanger Kleinarbeit wurde nun der jahrtausende alte Schmutz entfernt. Nach und nach kamen goldene Ornamente zum Vorschein, Symbole, die uns sofort an eine Darstellung des Sternenhimmels denken lassen.

Was der Erfinder der Himmelsscheibe mit ihr bezweckte bzw. ausdrücken wollte, wissen wir nicht, denn es lag ja keine Gebrauchsanleitung dabei. Wir können nur Vermutungen anstellen und hoffen, dass wir damit richtig liegen. Die Scheibe zu deuten ist ein beliebter Sport, und es existieren inzwischen die wildesten Spekulationen.

Himmelsscheibe von NebraSogar Sternbilder wurden auf der Scheibe gesehen, obwohl die Goldpunkte doch sehr gleichmäßig darauf verteilt sind. Eine andere Deutung sieht in den Goldpunkten rund um den großen Vollkreis Zählmarken, die den Bewegungsrhythmus der Venus darstellen sollen.

Die Darstellung hier zeigt die Scheibe, wie sie ausgesehen haben mag, bevor sie im Erdboden versteckt wurde. Die Originalscheibe ist an einer Stelle des Randes beschädigt (das waren die Raubgräber mit ihrem Werkzeug beim Ausbuddeln).

Außerdem fehlt der linke Bogen. Sein Abdruck aber ist noch vorhanden. So ließ sich der ursprüngliche Anblick der Scheibe rekonstruieren. Warum die Scheibe vergraben wurde ist unbekannt. Vielleicht sollte sie Feinden nicht in die Hände fallen. Vielleicht starb ihr Besitzer, und die Scheibe wurde ihm mit ins Grab gegeben. Allerdings wurden in ihrer Nähe keine Knochen gefunden.

Die Erweiterungen der Himmelsscheibe

Folgendes können wir mit Sicherheit von der Scheibe berichten: Sie hat einen Durchmesser von 31 bis 32 cm und wiegt 2kg. Sie besteht aus Bronze und wurde aus einem Bronzefladen hergestellt, der breitgeklopft wurde, solange er noch heiß war. Alle Ornamente der Scheibe bestehen aus Gold. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die verwendete Goldlegierung nicht bei allen Ornamenten gleich ist. Das weist darauf hin, dass die Scheibe nachträglich mehrmals verändert und einiges hinzugefügt wurde. Wieviel Zeit zwischen den einzelnen Ergänzungen verging wissen wir nicht.

Zuerst waren Vollkreis, Sichel und 32 Punkte vorhanden. Später wurden die seitlichen Bögen angebracht. Wieder später kam der untere Goldbogen hinzu. Ganz zum Schluss wurde die Scheibe rundum gelocht.

Die Oberfläche der Scheibe ist heute grün, was sich auf die Korrosion der Bronze in den vergangenen 3600 Jahren zurückführen lässt. Ursprünglich muss die Scheibe dunkelbraun oder vielleicht sogar schwarz gewesen sein - dunkel wie der Nachthimmel. Dazu bildeten die goldenen Ornamente einen wunderschönen Kontrast, die Darstellung erschien gleich dem funkelnden Sternenhimmel.


Die Himmelsscheibe von Nebra ist einzigartig. Kein derartiges Kunstwerk aus vorgeschichtlicher Zeit wurde je gefunden. Die Himmelsscheibe ist auch noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: sie stellt ganz konkret Objekte des Himmels dar und wurde vermutlich nicht nur als Kultgegenstand verwendet, sondern ganz praktisch als tragbares Observatorium, um die Tage der Sonnenwenden zu bestimmen und den Frühlingsbeginn herauszufinden.

Auch der Fundort Mitteleuropa ist ungewöhnlich, weil aus dieser Gegend zur Bronzezeit keine Hochkultur bekannt ist, die bereits über umfangreiche astronomische Kenntnisse verfügt. Die Himmelsscheibe zeugt von erstaunlich detailliertem Wissen in der damaligen Zeit. Wir sollten wohl besser unseren Vorfahren mehr zutrauen als bisher.

Was stellt die Himmelsscheibe denn nun dar?

Die großen Symbole könnten als Sonne und Mondsichel interpretiert werden. Allerdings müsste dann die Mondsichel andersherum stehen, damit die Sonne die richtige Seite des Mondes beleuchtet.

Genauso gut könnten es auch der Vollmond und die teilverfinsterte Sonne während einer Sonnenfinsternis sein. Oder es ist der Vollmond und die zunehmende Mondsichel.


Der untere Bogen

Einfacher lassen sich die Bögen deuten. Der Bogen am unteren Scheibenrand erinnert von seiner Form und den Verzierungen an den Rändern her an ein Schiff, das durch viele Ruder bewegt wird. Derartige Schiffsymbole sind aus Skandinavien bekannt oder auch aus Ägypten.

In der Vorstellung der alten Ägypter wird die Sonne während der Nacht unter dem Horizont mit einer Barke vom West- zum Osthimmel zurückgebracht, damit sie dort von neuem aufgehen kann. Vielleicht erzählten ja ägyptische Händler von dieser Idee, als sie in die Gegend um Nebra kamen, und die Mitteleuropäer übernahmen sie einfach in ihr eigenes Weltbild.


Die Horizontbögen

Die Bögen rechts und links der Scheibe markieren einen Winkel von 82,5 Grad und entsprechen damit genau dem Bereich, in dem innerhalb eines Jahres die aufgehende Sonne am östlichen Horizont bzw. die untergehende Sonne am westlichen Horizont zu sehen ist. Wenn diese Deutung richtig ist, zeugt sie von sehr genauen Beobachtungen des Sonnenlaufs.

Aber auch vom abstrakten Denkvermögen der Menschen in der Bronzezeit erfahren wir hier, denn sie bilden etwas ab, das nicht als Objekt existiert. Die Bögen sind eine Aneinanderreihung der Aufgangspunkte der Sonne am Osthorizont und der Untergangspunkte am Westhorizont, und das über den Zeitraum eines ganzen Jahres!


Der Sternhaufen

Die kleinen Goldpunkte sind recht gleichmäßig auf der Scheibe verteilt, Sternbilder sind auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Auffällig aber sind 7 Punkte, die eng beisammen stehen und einem Sternhaufen gleichen.

Der bekannteste Sternhaufen sind die Plejaden im Sternbild Stier, die auch als Siebengestirn bezeichnet werden. In vielen alten Kulturen waren sie bekannt und wurden als Wettergestirn angesehen. An ihrer Stellung am Himmel konnte der richtige Zeitpunkt der Aussaat im Frühjahr festgestellt werden.

Wenn es im Frühling abends dunkel wird, stehen die Plejaden schon tief am Westhorizont und gehen kurz danach unter. Der zunehmende Mond zieht als schmale Sichel an ihnen vorüber. Vielleicht sehen wir genau das auf der Himmelsscheibe. Für die Bauern war dies das Zeichen, dass der Winter nun endgültig vorbei ist und sie die Saat ausbringen können, ohne dass sie erfriert.

Im Herbst dagegen erscheinen die Plejaden nach monatelanger Abwesenheit wieder am Himmel. Kommt der Mond im Herbst an ihnen vorbei, zeigt er sich als Vollmond. Auch dieser Zeitpunkt könnte auf der Scheibe dargestellt sein. Die Plejaden symbolisieren also möglicherweise Beginn und Ende der bäuerlichen Tätigkeiten auf den Feldern.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein wunderbares Beispiel für die Zusammenarbeit in zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen: Archäologie und Astronomie waren hier gleichermaßen gefragt.

Die Himmelsscheibe kann im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle besichtigt werden. Ein sehr empfehlenswertes Buch zu diesem Thema ist 'Der geschmiedete Himmel' von Harald Meller. Darin erfährst du nicht nur alle Details zur Scheibe, sondern auch wie die Menschen in Mitteleuropa vor 3600 Jahren lebten und was sie uns hinterlassen haben.

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Lagrangepunkte

Die Lagrangepunkte oder auch Librationspunkte sind Orte des Gleichgewichts in der Himmelsmechanik. Hier heben sich die Anziehungskräfte zweier Körper und die Zentripetalkraft ihrer Bewegungen gegenseitig auf, es herrscht echte Schwerelosigkeit. Gerät ein wesentlich kleinerer und massearmer Körper an einen solchen Punkt, wird er von beiden der großen Körper gleichartig angezogen und verbleibt wo er ist.

Die Gleichgewichtspunkte wurden von Joseph Louis de Lagrange entdeckt, einem bedeutenden Mathematiker des 18. Jahrhunderts. Ihm zu Ehren heißen sie Lagrangepunkte.

Betrachten wir die beiden Himmelskörper Sonne und Erde (siehe Abbildung). Auf der Linie, auf der sie liegen, gibt es drei solcher Punkte, L1, L2 und L3. Zwei davon (L1 und L2) sind nahe der Erde. Da die Gravitationskraft der Sonne sehr groß ist und die der Erde sehr klein, heben sich diese Kräfte nicht weit von der Erde entfernt auf.

LagrangepunkteL1 hat einen Abstand von 1,5 Millionen Kilometer zur Erde, L2 ebenfalls, nur auf der anderen Seite der Erde. Da sich die Erde um die Sonne bewegt, bewegen sich die Lagrangepunkte ebenfalls und folgen ihr.

L3 liegt etwas außerhalb der Umlaufbahn der Erde auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne. Der Punkt hat einen Abstand von etwas mehr als 300 Millionen Kilometern zu uns. Dort addieren sich die Anziehungskräfte von Sonne und Erde.

Würde sich hier ein Himmelskörper aufhalten, bekämen wir ihn von der Erde aus niemals zu Gesicht, denn er würde sich hinter der Sonne 'verstecken'. Der Punkt wandert mit der gleichen Geschwindigkeit um die Sonne wie die Erde.

Die Punkte L4 und L5 befinden sich immer in einem Abstand von 60° zur Erde und wandern ebenfalls mit. Die Bewegungen sind in der Abbildung mit Pfeilen dargestellt. Legt die Erde einen bestimmten Weg zurück (blauer Pfeil), so bewegen sich auch die Punkte L3, L4 und L5 um den gleichen Betrag auf der Erdumlaufbahn weiter (rote Pfeile). L1 liegt innerhalb der Erdbahn und legt einen etwas kürzeren Weg zurück. L2 liegt außerhalb und beschreibt einen längeren Weg (rote Pfeile). L1 und L2 bleiben dabei immer auf der Verbindungslinie Erde - Sonne.

Raumfahrzeuge bei Lagrangepunkten

Die Lagrangepunkte können wir für uns nutzbar machen, indem wir genau an diesen Stellen Satelliten positionieren. Das hat den Vorteil, dass die Satelliten von selbst dort bleiben und ihre Lage nicht ständig nachkorrigiert werden muss. Dabei sparen wir Treibstoff.

satelliten in lagrangepunkten Die Punkte L1 und L2 sind mit Satelliten besetzt. In L1 befinden sich Sonnenbeobachtungssatelliten wie z.B. SOHO. An diesem Punkt haben sie immer freie Sicht auf die Sonne.

L2 ist gut für Weltraumteleskope geeignet. Hinter der Erde sind sie vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt und können ungestört ihrer Arbeit nachgehen. Der WMAP-Satellit untersuchte von hier aus die kosmische Hintergrundstrahlung, und ab 2018 soll hier das James Webb Space Telescope, der Nachfolger des Hubble-Space-Telescope, seine Arbeit aufnehmen.

Trojaner bei Lagrangepunkten

Natürlich gibt es auch in den Umlaufbahnen der anderen Planeten Punkte des Gleichgewichts der Kräfte. Betrachten wir als Beispiel den Planeten Jupiter.

jupiter und trojanerIn seinen Lagrangepunkten L4 und L5 befinden sich zahlreiche Kleinkörper, die die gleiche Umlaufbahn haben wie er. In L4 eilen sie dem Planeten voraus, in L5 folgen sie ihm nach, immer mit einem Abstand von 60 Grad. Eine Gefahr des Zusammenstoßes besteht nicht.

Die kleinen Asteroiden dort werden als Trojaner bezeichnet. In der Jupiterbahn gibt es mehr als 1000 von ihnen. Auch andere Planeten haben solche Trojaner in ihren Umlaufbahnen.

Trojaner wurden erst relativ spät entdeckt, da sie sehr klein sind. Im Jahr 1906 fand Max Wolf den ersten Trojaner in der Umlaufbahn des Jupiters. Er bekam den Namen Achilles. Der größte Trojaner ist Hektor mit immerhin 370x190 km Ausdehnung. An den Langrangepunkten L4 und L5 der Erde wurden bisher keine Trojaner gefunden.

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